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Tempolimit 120

Greenpeace fordert ein allgemeines Tempolimit von 120 km/h auf deutschen Autobahnen. Dies wäre ein großer Schritt für den Klimaschutz – denn die dadurch erreichten CO2-Einsparungen von mindestens 3,3 Millionen Tonnen jährlich würden mehr bringen, als der gesamte Emissionshandel in Deutschland und mindestens soviel, wie der Ausstoß eines ganzen Steinkohlekraftwerks.
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Ist-Situation
Auf den 12.300 Kilometern Autobahn in Deutschland werden rund ein Drittel aller PKW-Kilometer gefahren. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) gilt – ohne Berücksichtung baustellenbedingter Limits – auf einem Drittel der Autobahnen ein dauerhaftes oder zeitlich begrenztes Tempolimit. Zwei Drittel der Strecken haben also keine dauerhafte Geschwindigkeitsbeschränkung. Der Anteil des Verkehrssektors an den klimaschädlichen CO2-Emissionen beträgt 20 %.
Tempolimit reduziert Spritverbrauch
Wer ernsthaft Klimaschutz betreiben will, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, muss konsequent alle Maßnahmen verfolgen, die zu CO2-Einsparungen führen – besonders wenn diese Maßnahmen sehr schnell und mit wenig Aufwand durchzuführen wären. Das Tempolimit auf Autobahnen ist eine solche Maßnahme. Denn ab einem Tempo von etwa 100 km/h steigt der Spritverbrauch überproportional. Mit 150 km/h wird schon um die Hälfte mehr verbraucht, als mit 100 km/h; mit 200 km/h sogar noch um das Doppelte mehr als bei 100 km/h.
Rechenbeispiel:
100 km/h - 10 Liter
150 km/h - 15 Liter
200 km/h - 30 Liter

Ein Tempolimit von 120 km/h würde den CO2-Ausstoß von PKW auf Autobahnen direkt um mindestens 9 % verringern. (Diese Zahl stammt aus der Studie "Umweltauswirkungen von Geschwindigkeitsbeschränkungen" des Umweltbundesamtes von 1999. Sie rechnet mit einer 80-%igen Befolgung des Tempolimits im Bezugsjahr 1997.) Umgerechnet in Spritverbrauch wäre das soviel wie alle in Deutschland betriebenen Busse in einem Jahr verbrauchen. Innerhalb des Verkehrssektors gibt es keine andere Maßnahme, die so einfach und schnell einen so großen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Warum nicht ein Tempolimit bei 130 km/h?
Oft wird die Frage gestellt: warum nicht lieber ein Tempolimit bei 130 km/h? Die Antwort ist: bei 130 km/h werden nur 6 % eingespart; bei 120 km/h sind die Einsparungen im Spritverbrauch und CO2-Ausstoß also um 50 % größer.
Rechenbeispiel:
Zeitersparnis bei 130 statt 120 km/h: 5 Minuten pro Stunde, also bei:
60 Kilometer (Freiburg - Offenburg): 2,5 Minuten
120 Kilometer (Freiburg - nicht ganz Karlsruhe): 5 Minuten
240 Kilometer (Freiburg - Darmstadt): 10 Minuten
600 Kilometer (Freiburg - Hannover): 25 Minuten

Diese kleinen Zeitverluste sind dem Klimaschutz zu liebe doch allemal zu verkraften! Die Politik ist gefordert, sich ambitioniert im Sinne des Klimaschutzes zu verhalten und für ein Tempolimit von 120 km/h auf deutschen Autobahnen zu stimmen.
Tempolimits in der EU
Deutschland ist das einzige Industrieland der Welt, in dem unbeschränkte und CO2-treibende Raserei möglich ist. Hier ein Vergleich der Tempolimits auf Autobahnen für PKW (ohne Anhänger) in verschiedenen EU-Ländern:

Land Tempolimit
Belgien 120
Norwegen 90 / 100
Bulgarien 130
Österreich 130 (nachts 110)
Dänemark 130
Polen 130
Deutschland -
Portugal 120
Finnland 120
Rumänien 120
Frankreich 130
Schweden 110
Griechenland 120
Schweiz 120
Großbritannien 112
Slowakei 130
Irland 120
Slowenien 130
Italien 130*
Spanien 120
Luxemburg 130
Türkei 130
Niederlande 130
Ungarn 130

* zweispurige Autobahnen: 130; dreispurige Autobahnen: 150 (seit 2003, nur bei entsprechender Beschilderung mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h)

Insgesamt haben 19 Länder in der EU ein Autobahn-Tempolimit von 120 km/h oder noch weniger und 13 Länder (v. a. deutsche Nachbarländer) haben eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h.

Die deutsche Politik würde viel Glaubwürdigkeit als Motor für mehr Klimaschutz gewinnen, wenn sie sich beim Tempolimit gegen die Interessen der Autolobby durchsetzen würde. Ein Tempolimit von 120 hätte auch auf die Nachbarländer eine Signalwirkung.



Signal an Autoindustrie
Das Tempolimit auf Autobahnen hätte aber nicht nur durch den unmittelbaren Einspareffekt positive Auswirkungen auf das Klima, sondern insbesondere auch durch den Anreiz für die Autoindustrie, sparsamerer Autos zu bauen. Denn niedrigere Geschwindigkeiten ermöglichen den Einbau leichterer Motoren wobei die Sicherheit der Insassen mit geringerem Aufwand und Fahrzeuggewicht sichergestellt werden kann. Ein Beispiel hierfür ist das SmILE-Prinzip.

Dieses sogenannte Downsizing der Fahrzeuge könnte die CO2-Emissionen von PKW in kürzester Zeit halbieren - ein deutlich größerer Effekt als alle zurzeit diskutierten CO2-Grenzwerte für Autos. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind also kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung für die weitere Konkurrenzfähigkeit der deutschen Autoindustrie.
Und ein deutsches Tempolimit hätte noch weiter reichende Folgen: Alle größeren Autohersteller exportieren ihre Autos weltweit – und jedes dieser Fahrzeuge muss bundesautobahn-tauglich sein. Das heißt, sie werden für Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h konstruiert. Käme ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen, hätte dies weltweit Auswirkungen auf die Konstruktion von PKW - mit der Folge von weltweit sinkenden CO2-Ausstößen im Verkehrssektor.

Weniger Unfälle
Ein generelles Tempolimit würde zu einer erhöhten Verkehrssicherheit beitragen und die Häufigkeit und Schwere von Autobahn-Unfällen verringern. 43,5 Prozent aller schweren Unfälle auf Autobahnen sind „Geschwindigkeitsunfälle“. 70 Prozent aller tödlichen Unfälle ereignen sich auf solchen Autobahnabschnitten, die keine Geschwindigkeitsbegrenzung haben.
Das Umweltbundesamt hat schon im Jahr 1999 berechnet, dass ein Tempolimit die Zahl der Verkehrstoten auf Autobahnen um 20-37 Prozent verringern würde. Allerdings ist seitdem die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen sogar weiter gestiegen.

Weniger Staus
Ein Tempolimit hätte auch positive Auswirkungen auf den Verkehrsfluss: durch die geringeren Geschwindigkeitsunterschiede der Autos käme es seltener zu Drängeleien und insgesamt zu einer zügigeren Fahrt. Es gäbe weniger sogenannte „Staus aus dem Nichts“, die bei flüssigem Verkehr aufgrund extremer Geschwindigkeitsunterschiede entstehen. Autobahnen in Ballungsgebieten haben in aller Regel Tempolimits, die den Verkehrsfluss harmonisieren. Die höchste Leistungsfähigkeit einer Autobahnspur wird mit bis zu 2.600 Fahrzeugen pro Stunde bei einer Geschwindigkeit von 85 km/h erreicht.
Zudem würde die geringere Häufigkeit von Unfällen bei einem generellen Tempolimit automatisch die Zahl der unfallbedingten Staus verringern.

Klimaschutz im Verkehr ist mehr...
Die Einführung eines Tempolimits auf der Autobahn ist nur eine von vielen nötigen Maßnahme zur Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich. Autos und Flugzeuge müssen effizienter werden und die Politik muss konsequent Bus und Bahn sowie den Fuß- und Radverkehr fördern. Die steuerliche Bevorzugung des Flugverkehrs muss endlich gestoppt werden und er muss in den Emissionshandel mit einbezogen werden. Die Kfz-Steuer muss zu einer Klimasteuer werden. Da der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland um 40 Prozent bis 2020 verringert werden soll, darf auch im Verkehrssektor auf keine einzige wirksame Maßnahme für mehr Klimaschutz verzichtet werden.

Während die Politik noch schläft und keinen Mut zu ambitionierten Maßnahmen hat, kann jeder einzelne jetzt schon sehr viel bewirken und so persönlich etwas gegen die Erderwärmung tun:
• mehr die öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen, weniger Auto fahren
• freiwillig ein Tempolimit von höchstens 120 km/h einhalten
• auf einen spritsparenderen Fahrstiel achten
• nur sparsame Autos kaufen


Links:
SMILE: Der erste Schritt - die Hälfte Sprit
VCD: Tempolimit 120!
NABU: Spritsparendes Fahren

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