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Bantam-Mais

Wenn Sie sich als Verbraucher fragen, was Sie selbst tun können, um ein Zeichen gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Mais zu setzen, so lautet die Antwort: Bantam oder noch besser „Golden Bantam“.

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Bantam-Mais, eine alte, gentechnikfreie Maissorte steht im Zentrum einer Aktion, welche von der international agierenden Kampagne (der Zukunftsstiftung Landwirtschaft) „Save our Seeds“ (mit Sitz in Berlin) getragen und in Deutschland von über 40 Organisationen unterstützt wird, u.a. von Greenpeace und den deutschen Anbauverbänden. Die Idee der Aktion ist es, an möglichst zahlreichen Orten Bantam-Mais auszusäen und sich anschließend auf einer im Internet abrufbaren „Golden Bantam“- Karte einzutragen. Bereits über 35000 Standorte sind auf dieser Karte verzeichnet.
Sinn und Zweck des Ganzen besteht in Zweierlei: Zum einen berechtigt der Anbau von gentechnisch freiem Mais zu einer Anfrage beim Standortregister. Das Standortregister ist beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angesiedelt. Seit 2005 soll dort flurgenau jedes Stück Feld gemeldet werden, auf dem Gen-Mais angebaut werden soll – und zwar mindestens drei Monate vor Aussaat. Ausgenommen hiervon sind im Übrigen Freisetzungsversuche, die in der Regel erst drei Tage zuvor zu melden sind. Ein Glaubwürdigkeitsverlust erfuhr das Standortregister, nachdem Greenpeace letztes Jahr einige Felder aufdeckte, auf denen ungemeldet Gen-Mais angepflanzt wurde. Zudem lässt sich aus „Golden Bantam“ Saatgut für das kommende Jahr gewinnen: eine wirksame Antwort auf die Monopolisierungsbestrebungen der großen Saatgut-Multis, nach dem Motto: „Wo Bantam steht wächst keine Gentechnik!“ Ein Forum, Bilder von privaten Maisanbauern sowie Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um das Thema Mais finden sich unter www.bantam-mais.de. Hier gibt es auch eine Liste mit Bezugsquellen. Ansonsten ist Bantam-Mais inzwischen in jedem gut sortierten Bioladen erhältlich. Helfen Sie mit durch den Anbau von Bantam-Mais eine Gegenbewegung zur Genlobby aufzubauen!

Die Greenpeace-Gruppe Freiburg unterstützt die Bantam-Idee jeweils zur Maisaussaat in Form von Informationsständen und Bauchladenaktionen. Neben allgemeinen Informationen zum Maisanbau in Deutschland sowie zur Gentechnik, berichten wir über die Bantam-Mais-Aktion und bieten interessierten Verbrauchern Bantam-Körner zum Mitnehmen und Aussäen an. Damit sind sicherlich schon einige gentechnikfreie Zonen innerhalb Freiburgs entstanden!

Generell dürfen in Deutschland bislang nur gentechnisch veränderte Sorten der Maislinie MON 810 des US-Konzerns Monsanto kommerziell angepflanzt werden. All diesen Sorten ist gemeinsam, dass sie durch Übertragung eines Gens des Bodenbakteriums „Bacillus Thuringiensis“ (deshalb heißt der Mais bt-Mais) ein Gift produzieren, das die Larven des Maiszünslers tötet. Da das Gift ständig produziert wird, hat dies verheerende Auswirkungen auf die Umwelt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) trug dieser Tatsache im Mai 2007 erstmals Rechnung, indem es aufgrund der bestehenden Gefahren den Anbau von MON 810 verbot – allerdings erst nach der Aussaat!!! Folglich zog dieses einstweilige Verbot keine Konsequenzen für den Gen-Mais Anbau nach sich. Neben den möglichen Risiken und Folgen für die Umwelt, mahnte das BVL den fehlenden Monitoring-Plan ein. Dieser ist laut EU-Richtlinie 2001/18 Voraussetzung für eine Anbaugenehmigung. Als Monsanto im Nachhinein einen Monitoring-Plan zur Überwachung des Anbaus und zur Beobachtung von Umweltauswirkungen vorlegte, einigte sich Herr Seehofer mit dem Konzern außergerichtlich. Das Verbot war damit bereits Ende letzten Jahres wieder aufgehoben.
2008 wird insofern ein spannendes Jahr, weil die Wiederzulassung dieser Gen-Maislinie ansteht bzw. verworfen werden kann (sehr optimistisch betrachtet). Die Zulassung auf EU-Ebene wird für jeweils zehn Jahre erteilt. Da die Gen-Maislinie MON 810 1998 zugelassen wurde, läuft die Genehmigung dieses Jahr aus. Der Konzern hat bereits einen Antrag auf Wiederzulassung gestellt. Nach einer Analyse von Greenpeace ist der vorgelegte Monitoring-Plan nicht ernst zu nehmen: von 32 angeführten Studien sind gerade mal drei unabhängig und wirklich aufs Thema bezogen. Das ist andererseits kein Wunder. Denn noch immer weiß die Wissenschaft nicht wie der bt-Mais genau wirkt. Tatsache ist, dass das Gift auf dem ganzen Feld über die Dauer der Bepflanzungsperiode produziert wird. Inwieweit die Konzentration unter gewissen klimatischen Bedingungen schwankt, wann bei Organismen eine Toleranzgrenze erreicht ist oder ob das Gift über Erntematerial sowie Pollenflug auch ins Wasser gelangen kann – all diese grundlegenden Fragen sind bislang nicht geklärt. Und es gibt noch immer kein wissenschaftlich standardisiertes Verfahren, um diesen Fragen nachzugehen. Aufgrund dessen ist es überhaupt nicht nachzuvollziehen, geschweige denn verantwortbar, dass gentechnisch veränderte Organismen eine Zulassung erhalten!!!!!

Die Anbaufläche für gentechnisch verändertem Mais betrug 2007 0, 16 % der gesamtem Maisanbaufläche, 2008 0,23% und liegt überwiegend in Ostdeutschland. Dies hört sich zunächst recht wenig an. Wenn allerdings bedacht wir, dass die Gen-Maisanbaufläche von Jahr zu Jahr zunimmt und die Risiken (wie Kontamination durch Pollenflug, direkte Schädigung von Organismen in Boden und Luft, Effekte auf nächste Stufe der Nahrungskette) noch nicht abschätzbar sind, so ist dies alarmierend, nicht zuletzt angesichts von Fällen illegalen Anbaus, die Greenpeace letztes Jahr aufgespürt hat.

Das Gros des Gen-Maises wandert in die Futtermittelindustrie und letztlich in die Futtertröge der Tiere. Doch sind Milchprodukte, Fleisch und Eier von Tieren, die Gen-Futter bekamen, bislang von einer Kennzeichnungspflicht ausgeschlossen. Somit ist für den Verbraucher nicht ersichtlich, ob die Kuh mit Gen-Mais und -Soja gefüttert wurde oder nicht. Greenpeace wies verstärkt auf diese Gesetzeslücke hin. In 10., aktualisierter Auflage kann man sich im Einkaufsratgeber „Essen ohne Gentechnik“ über Marken und Firmen informieren, die auf gen-freies Futter in den Trögen ihrer Tiere achten. Kostenlos ist dieser Ratgeber zu beziehen bei Greenpeace Hamburg, im Internet unter www.greenpeace.de oder unter Tel. 040/30618-120.

 

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